Overath Rockcity - O R C - Open Air Festival

3 years, 276 days, 21 hours, and 50 minutes since
get tickets

Lineup

Eine Dorfdisko also. Da werden die grossen Hits der Stunde abgefeiert. Da gibt es am Donnerstag ein kleines Bier für 99 Cent. Nach zwölf Bier traut man sich vielleicht sogar, mit der unerreichbaren Dorfschönheit ein paar Worte zu wechseln. Vielleicht tanzt man sogar mit ihr. Und am Ende eines ganz großen Abends in der Dorfdisko endet man knutschend auf dem alten Sofa in der schummrigen Ecke. Klar kann man Dorfdiskos doof finden, weil sie so schlicht, so wenig szenig, so immergleich sind. Oder man denkt wie Peer aus Köln, der "viele schöne Erinnerungen mit Dorfdiskos verbindet. Jeder war doch zuerst in seiner kleinen gemütlichen Dorfdisko, bevor es in die grossen Stadtclubs ging. Diese allerersten Ausgeherlebnisse vergisst man nie." Stimmt auch wieder. Punkt an Peer. Und an die Band, die sich den Namen zu eigen gemacht hat.

Seit Anfang 2004 gibt es Dorfdisko. Das ist gemessen an der Geschichte der Popmusik ein kurzer Zeitraum, gemessen an der Geschichte des Universums ein wahnsinnig kurzer Zeitraum und für den Schritt vom Proberaum zum Plattendeal bis zur ersten Veröffentlichung immer noch verdammt knapp kalkuliert. Da gibt es kein langes Abtasten, eher puren Pragmatismus. Unter dem Motto "Junger Mann zum Mitreisen gesucht" wurde in der üblichen Loaklpresse inseriert, so kamen zu Gitarrist Peer und Schlagzeuger Marc, die sich bereits aus vorherigen Bandprojekten kannten, der via Düsseldorf und Frankfurt ins Rheinland geschlenderte Sänger Daniel und Bassist Volker, der im deutsch-belgischen Niemandsland wahrscheinlich die dörflichsten Erfahrungen aller Bandmitglieder sammeln durfte.

Die unglaublich schnelle Entwicklung der Band in den folgenden Monaten lässt sich an folgendem Beispiel sehr gut erklären: Erste Bandprobe. Der Kasten Reissdorf bleibt im Kühlschrank. Über musikalische und persönliche Vorgeschichte redet man auch erst mal nicht. Stattdessen: Hit schreiben. Der heisst "Schreien wir zusammen" und findet sich in all seiner melodiösen Neo Punk Glorie auf der "Unterwegs EP" wieder. Das ist die Tempovorgabe. Schlag zwei kommt ähnlich schnell. Ekki Maas, Erdmöbel Mastermind und unter anderem Produzent des Peter Licht Indie-Krachers "Sonnendeck" steigt ganz schnell mit an Bord. "Wir fanden Erdmöbel super, immer schon, dann machen wir ne Band auf und drei Monate später sitzen wir bei denen im Studio und Ekki ist unser Produzent. Das glaubt man dann wirklich nicht." Peer schon wieder. Redselig ist er, auf diese sympathisch-rheinische Art, durch die man nach einer Zufallsbekanntschaft in der Strassenbahn schnell mal beim Standesamt landet. Oder zumindest beim Kölsch.

Sänger Daniel, im Nebenleben auch noch Schauspielschüler, reflektiert ein bißchen mehr, kann sich präzise und poetisch formulieren. "Meine Realität ist vergraben unterm Blumenbeet" aus dem Opener "Unterwegs" ist eine dieser Danielzeilen, die so leicht durch die Debüt EP der Gruppe federn, dass man sich nie belehrt oder bedrängt fühlt. "Grundsätzlich", sagt Daniel, "geht es uns um ein gutes Gefühl. Wir wollen einfach nur unsere positive Grundhaltung gegenüber dem Leben zum Ausdruck bringen." Gar nicht so schwer, eigentlich.

Verstanden haben neben Ihrer Heimatstadt Köln zuerst die Belgier. Im dortigen staatlichen Rundfunk liefen Dorfdisko von Stunde eins an, mit frühen Produktionen, live im Studio oder auch mal mit einem Live-Mitschnittt. Und weil man ja nicht einfach das Ausland erobern kann, ohne sich zuhause die verdienten Lorbeeren errungen zu haben, spielte die Band im Gründungsjahr noch flott 25 Konzerte über die gesamte Republik verteilt und sicherte sich im Herbst dann auch als erster Act einen Vertrag beim neuen Gross-Indie Motor. Industrielegende und Motorgeschäftsführer Tim Renner freut sich darüber nicht minder: "Eine Band wie Dorfdisko als erste Motor - Veröffentlichung, macht mit dem neuen Motor Label Spass denn sie ist so wie Motor hoffentlich sein wird - unverbraucht und charmant."

Dorfdisko sind da. Neu, frisch, voller Tatendrang. Und Donnerstags kostet das Bier immer noch 99 Cent.

zurück