"Das einzige was fehlt, ist der Mief und Kampf vor der Bühne“, schreibt Fan Raoul ins Gästebuch der Slapstickers. Gemeint ist das neue Live-Album der Band, die auf gleich zwei CDs eine Ska-Partie über neunzig Minuten mit Verlängerung abliefert. Die junge Ska-Truppe The Slapstickers aus Köln präsentiert ihre Musik ungefiltert, rau und energiegeladen – wie ihre Fans sie schon seit zehn Jahren von Live-Konzerten kennen. "Der Ska ist zurück“, schreibt die Zeitschrift woman und erklärt solche Modeaccessoires zur neuen Sommer-Kollektion 2005, die die Slapstickers schon seit ihrer Schulzeit im Kleiderschrank haben. Und mit ihrem neuen Album a-huii!! im CD-Regal würde es die Band nicht überraschen, wenn Ska wie seit Jahren gehandelt endlich zum "next big thing" wird.
Ska – Der Star ist die Mannschaft
Präzise Abschläge des Drummers und eine solide Hintermannschaft aus murmelndem Bass, groovigem Hammond-Gezwitscher und mal rasiermesserscharfen Offbeats, mal brettharten Flanken der Gitarre lassen den Ska-Beat tight und doch mächtig laufen. Eingängige Melodien und fette Akzente der Viererkette aus Posaune, Trompete, Alt- und Tenorsaxophon drücken dem Spiel der Slapstickers ihren unverwechselbaren Stempel auf. Mit gefühlvoller Leichtigkeit verwandelt Sänger Christian gekonnt und in individueller Manier die Zuspiele seiner Bandkollegen und trifft damit den Puls der Zeit. So entsteht ein Gesamtsound, der die traditionellen Ska-Elemente mit einer unerhörten Portion Rock konfrontiert. Diese Bandbreite spielen die Slapstickers voll aus und behalten doch ihre einzigartige Spielkultur bei. Und der Fan-Block singt mit – egal ob im kleinen Klub oder auf der großen Festivalbühne.
Neun Freunde müsst Ihr sein
Im Frühjahr 1995 finden drei Klassenkameraden auf dem Bürgersteig eine Kassette mit der unleserlichen Aufschrift Madness – einen Tag später wird ein neun Quadratmeter großer Waschkeller ihr erster Probenraum. Damals ahnte noch niemand, dass sie acht Jahre später die einzige deutsche Ska-Band sein werden, die jemals ein gemeinsames Konzert mit Madness hingelegt hat. Die gemeinsamen Erlebnisse in der Zwischenzeit schweißen die schnell auf neun Musiker angewachsene Band zu engen Freunden zusammen. Und statt Tante Nanni stehen plötzlich junge hübsche Mädchen vor der Bühne, Plakate in ganz Deutschland ersetzen selbstgemachte Flyer am schwarzen Brett der Schule, aus dem Plastik-Keyboard auf der Waschmaschine wird eine waschechte Hammondorgel und Aufnahmen werden bald nicht mehr mit dem billigen Kassettenrekorder, sondern im Tonstudio auf bisher fünf amtlichen, selbst produzierten Alben gemacht. 1999 gewinnen die Slapstickers einen deutschlandweiten Wettbewerb bei WDR Eins Live und lösen so ein Ticket für einen Gastauftritt in der ARD-Serie Tanja. Die unzähligen gemeinsamen Geschichten füllen mittlerweile fast sechzig Kapitel einer History, die auf www.slapstickers.de nachzulesen ist. Nicht nur die Band wuchs zusammen, die Slapstickers-Familie schließt Merchandiser, Techniker, zahlreiche Bands und nicht zuletzt die Fans ein.
Das Publikum als zehnter Mann
"Wir sind eben eine Live-Band, deshalb hat das Publikum einen großen Einfluss auf unsere Shows", sagen die
Slapstickers. Ihre Ansagen entstehen spontan, selbst die Playlist wird auf Zuruf gerne mal verändert. Und "über Bläser, die ihre Instrumente rhythmisch hin- und herschwenken und sich eine Choreographie ausdenken, können wir nur lachen", so die Band, denn die unverwechselbare und rasante Bühnenshow der Slapstickers entsteht nicht vorher im Probenraum, sondern erst direkt auf der Bühne. Dabei kommt es der ihnen nicht darauf an, möglichst cool auszusehen – das Motto heißt "Nutze jeden Takt als wäre es Dein letzter". Die neun Bandmitglieder zeigen dabei eine ungeheure Präsenz, die den Ska-Liebhaber, den Typ mit der weiten Hose und die Frau mit dem engen T-Shirt zu weltweiten Missionaren in Sachen Slapstickers macht. So folgten Dutzende von Fans einem Aufruf der Band-Website und sandten Bilder ein, auf denen sie sich mit Slapstickers-Shirts in aller Welt ablichten ließen. Diese Bilder finden sich auch im Booklet der neuen Liveplatte wieder.
Ein neues Spielsystem
"Unsere Fans wollten das Erlebnis unserer Livekonzerte auch endlich zu Hause genießen können. Studioalben können die besondere Atmosphäre des Ska nicht richtig einfangen. Deshalb haben wir das mutige Experiment gewagt unsere Musik so authentisch aufzunehmen, wie sie gemeinsam auf der Bühne entsteht – mit dem Publikum und allen Unwägbarkeiten des Augenblicks. Dafür haben wir sehr eingeschränkte Möglichkeiten zur Nachbearbeitung in Kauf genommen" berichten die Slapstickers. Dass das klangliche Erlebnis sich jedoch trotzdem vor keinem Studio-Album zu verstecken braucht, liegt an der innovativen Herangehensweise bei den Aufnahmen: Knapp einhundert Fans wurden durch Aktionen auf der Homepage – darunter ein Literaturwettbewerb und der T-Shirt-Contest – ausgewählt und brachten an zwei Abenden ein zum Livestudio umgebautes altes Bahnhofs-gebäude zum Kochen. Ein Stockwerk über der Bühne fing ein Team um Aufnahmeleiter Andi Reisner und Sound-Legende John Cremer mit modernster Technik all das ein, was unten auf und vor der komplett verkabelten Bühne zwischen unzähligen Mikrofonständern entstand. Zum Beispiel den vom Drummer spontan erfundenen Urschrei "a-huii!!", der sich wie ein roter Faden durch die Aufnahmen zieht und so zum Titel des Albums wurde. In achtundzwanzig Songs entfalten die Slapstickers ihre enorme Bandbreite, die vom klassischen Ska-Tune Groove Attack über das space-rockige Nine Cowboys bis hin zum einfühlsamen Ska-Pop-Titel Underwater Love reicht. Ein atemberaubender Gastauftritt des Vibraphon-Stars Matthias Strucken bei Mr. d-minor sowie weitere Gäste mit deutschen Hip-Hop-Einlagen bei Mad TV und It’s Up To You tragen zum Abwechslungsreichtum bei – genauso wie ein Stromausfall, dem ebenfalls ein Track auf dem Album gewidmet ist. Letztlich ist eine Platte entstanden, die 100% The Slapstickers transportiert – damit wird der Sommer zum großen Live-Erlebnis. Ob bei den anstehenden Konzerten der Slapstickers oder überall dort, wo ein CD-Player steht.


